Geschichte wiederholt sich…
by Martin on August 8, 2007
…sie tut es immer und egal um was es geht!
Gestern schrieb Steve Streeting etwas wehmütig über die längst vergangenen Tage, in denen Computerspiele noch Unikate waren, denen man selbst ihr Herkunftsland ansehen konnte, die praktisch ein Stück der Kultur transportierten, aus der sie kamen. Während ich diese Trauer nicht unbedingt teilen kann (vermutlich bin ich zu jung um derartige Titel wirklich bewusst miterlebt zu haben) fand ich einen Kommentar zu seinem Eintrag viel spannender. Er hatte folgendes Zitat von Sid Meier zum Inhalt:
It’s always fun to make computer games, but I think in those days we really hadn’t come up with the idea of a genre yet, so we would say, “Let’s do a game about pirates!�? “OK! There will be sword fighting and there will be ships!�? or “Let’s do a game about civilization.�? “Yeah! We’ll have economics and diplomacy. There will be military…�? We didn’t say, “What category are we going to fit this into?�? There was a lot more experimenting. The graphics and the sound technology were limited, so the investment wasn’t so high to make a game. You could only make it look so good, or sound so good. So we didn’t have to spend the millions and millions and millions of dollars like we do today. It was a little less risky, so we could take a chance with games because they didn’t cost as much money. That was fun; It was exciting.
Ich finde diesen Kommentar interessant, weil ich sehe wie genau das selbe was den PC-Spielen passiert ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt wieder passiert. Nur dass es diesmal im Bereich der Browsergames stattfindet. Nehmen wir AirlineSim als Beispiel: Vor über 5 Jahren wurde es aus nur einem Grund ins Leben gerufen, nämlich weil einige Luftfahrtinteressierte der Meinung waren, dass die Welt eine realistische Luftfahrtsimulation braucht. Die Technik, das Medium oder irgendwelche finanziellen Aspekte spielten zu diesem Zeitpunkt keine Rolle und es wurde einfach ein "gutes" Spiel entwickelt (ich weiß, Eigenlob stinkt
). Würde man die Aviatikfans außen vor lassen und ein Spiel wie AirlineSim heute dem allgemeinen Publikum vorstellen, so würde es vermutlich sang- und klanglos untergehen, würde, als altmodische Tabellenkalkulation abgestempelt, automatisch in die Kategorie "nicht spielenswert" verfrachtet.
Denn mit dem Erwachsenwerden des Produktes "Browsergame" zeichnet sich genau der selbe Trend ab wie einst bei den PC-Spielen: Mit zunehmender Größe und Professionalität der Anbieter und Hersteller werden die technischen Grenzen immer weiter ausgereizt, wird die Grafik und das Auftreten immer mehr in den Vordergrund gerückt, verschwinden Spielinhalte hinter bunten Fassaden und Spielerzahlen. Um mit etwas Geld zu verdienen, so ist die allgemeine Meinung, muss es massentauglich sein. Massentaugliches duldet aber keine Experimente, erlaubt keine Nischenkost. Es muss leicht verdaulich und für jeden spielbar sein. Nicht zuletzt versucht man, aus Bestehendem immer wieder aufs neue Geld zu machen und verkauft alte Spiele in neuer Aufmachung erneut…vermutlich an die selben Kunden. Ich will das nicht verteufeln, die Angestellten dieser Firmen wollen auch bezahlt werden. Aber die Nebenwirkungen sind deutlich sichtbar.
So wie die Entwickler von Computerspielen zunehmend versucht haben, sich qualitativ dem großen Vorbild Film anzunähern, versuchen Browserspiele jetzt in die Liga eben dieser vorzudringen. Mit Techniken wie Flash, SilverLight oder client-side Java soll den Spielen mehr Interaktivität, mehr Grafik, mehr Kurzweil verpasst werden. Von der ursprünglichen Idee, Spielkonzepte auf jeden PC mit Internetanschluss zu bringen bleibt dabei entsprechend wenig übrig. Und somit werden immer mehr Kapazitäten in die Entwicklung neuer Techniken gesteckt, während man neue und frische Ideen vermisst. Es kommt wie Sid Meier es für seine Branche beschrieben hat: Spiele werden nurnoch in Genres und Kategorien entwickelt, die einen genau abgesteckten und gut bekannten Markt bedienen und sich im großen Stil verkaufen lassen, solange die Grafik stimmt und der Spieler nicht mit allzu viel neuem konfrontiert wird.
Bleibt zu hoffen, dass der Welt der Browsergames die im Moment noch stark vertretene Indie-Fraktion erhalten bleibt. Ich werde jedenfalls stets Spiele entwickeln, die ich persönlich gerne und lange spielen würde. Damit treffe ich vielleicht nicht jedermanns Geschmack, die die meinen Geschmack teilen, werden sie dafür aber umso lieber mögen. Ganz im Sinne von AirlineSim…und auch erst wenn dieses fertig ist
One comment
danke, du sprichst mir aus der seele. auch ich finde es furchtbar, dass spiele, sei es browser- oder pc-spiel, immer für einen massenmarkt sein müssen. die besten (schlechtesten) beispiele sind für mich die siedler-reihe und simcity. bis siedler IV wurde gewuselt und gebaut, es war etwas kompliziert, aber toll anzusehen, lustig und kurzweilig. siedler V war plötzlich etwas ganz anderes, weniger aufwand, wuseln, basteln…es spricht vielleicht mehr andere an, aber mir hatte genau das siedeln an den siedlern spass gemacht. simcity ist mit dem 5. teil auch auf dem weg, viel credit zu verspielen, ganz einfach, weil weniger spieltiefe versprochen wird und dafür mehr die massen angesprochen werden. aber grade die herausforderung, eine stadt oder region in komplexer wirtschaftlicher und sozialer umgebung zu errichten, ist für mich was zählt und net, ob man irgendwelche hippie- oder nobelviertel errichten muss.
by bsc aviation on August 12, 2007 at 21:02 #