Casino Royal II
Nun hatte ich gestern endlich das Vergnügen "Quantum of Solace" im Kino zu sehen. Ähnlich zu Casino Royal war meine Vorfreude riesig und ich konnte es kaum erwarten zu erfahren, wie "der neue Bond" weiterentwickelt würde.
In der Tat ist der neue Film eine direkte Fortsetzung des "Vorgängers"…vielleicht sogar etwas zu direkt. Einige meiner Begleiter meinten, sie hätten vielen Teile des Film einfach nicht verstanden, weil sie nur im Kontext mit Casino Royal überhaupt einen Sinn ergeben. Die Story handelt im Grunde davon, wie Bond lernt mit dem Verlust Vespers umzugehen und wie er dabei zwischen Rache und Auftrag hin und her pendelt. Das war es dann aber auch fast schon in Sachen Geschichte…der Bösewicht ist wie in Casino Royal eher ein kleines Rad in einem großen Getriebe. Der Plan von Quantum (der Geheimorganisation), mit unterirdischen Dämmen die Wasserversorgung von Bolivien zu kontrollieren hat in seinen Ausmaßen Qualitäten klassischer Bond-Filme…wird aber leider in keinster Weise auch so genutzt: Man sieht nicht wie Bond den Damm unter Dauerfeuer in Einzelteile zerlegt und es rollt auch keine gigantische Flutwelle durch unterirdische Flussbetten. Stattdessen wird der Augenmerk auf die Folgen für die Menschen gerichtet, mit deutlichen Hinweisen auf Probleme der echten Welt und auch Bonds Verfahrensweise mit seinem überwältigten Gegner mutet eher wie eine Moralpredigt an.
Auch wenn es bisher nicht so klingt: Gefallen hat mit der Film trotzdem. Sicher, ohne Casino Royal wird er niemals Sinn machen. Er ist und bleibt eine Fortsetzung, wenn nicht sogar ein Anhang zu Bond Nummer 21. Aber als solcher funktioniert er gut. Die Action steht dem "Original" in nichts nach und der Stil wurde weitestgehend übernommen. Auf penetrantes product placement wie im Vorgänger wurde erstaunlicherweise verzichtet…die repräsentierten Marken schmiegen sich gut ins Gesamtbild. Auch sonst merkt man dem Film an, dass er nicht von einem Action-Regisseur stammt, sondern dass unter der Haube sehr feinfühlig mit der wie gesagt dünnen Story umgegangen wurde. So halte ich es nach dem Film tatsächlich für eine gute Idee, dass auf wichtige Bond-Phrasen, wie zum Beispiel das berühmte "Mein Name ist Bond, James Bond", verzichtet wurde, weil sie nicht so recht ins Bild passen. Dafür dürfte es in späteren Filmen deutlich konsistenter wirken, wenn er zu seinen alten Floskeln zurückkehrt…schon in Quantum of Solace war die Dichte typischer Bond-Sprüche deutlich höher als in Casino Royal, war die Tendenz zu Bonds Hang zu teurem Lebensstil erkennbar und näherte sich sein Umgang mit Frauen dem an, was man von früher kennt. Die Macher tasten sich eindeutig sehr vorsichtig an das heran, was man vor Daniel Craig unter "James Bond" vestanden hat.
Was ist also mein Fazit? Als alleinstehender Film wäre Quantum of Solace mit Sicherheit kein Meisterwerk und auch in der Reihe der Bond-Filme sieht er etwas blass aus. Wenn man aber ein so großer Fan von Casino Royal und der Charakterentwicklung des neuen Bond ist wie ich, dann macht es Spaß den neusten Teil der Serie anzusehen. Er steigert ungemein meine Vorfreude bzw. Hoffnung darauf, dass in einem der darauf folgenden Filme der Bogen geschlossen wird, dass die Produzenten weiter so erfolgreich das alte Bond-Bild mit der modernen Welt verschmelzen lassen und dass somit eines Tages auch Gadgets, Q und Moneypenny zurückkehren dürfen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Der neue Film ist auf seine Weise sehr ehrlich und sehr konsequent. Für Fans auf jeden Fall zu empfehlen!
