Aus einem Hamburger Fitness Studio
Manch einer hat es eventuell mitbekommen: Zwecks meines (hoffentlich) letzten Praktikums residiere ich derzeit in Hamburg. Wie das mit Büro-Jobs so ist, verbringt man geregelte 8 Stunden am Tag im Büro…sitzend. Mittags ernährt man sich dann in 80% der Fälle von mehr oder weniger ungesunden Nahrungsmitteln um abends sportlichen Hobbies wie Browsergames oder Webcomics nachzugehen. Alles in allem führt dies zu einer…nennen wir es mal positiven Energiebilanz mit negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden.
Um dem entgegen zu wirken erkaufe ich mir seit mehr als einem halben Jahr monatlich das vertraglich geregelte Recht, in jedem FitnessCompany FitnessFirst Studio weltweit Kalorien zu verbrennen. Von diesem habe ich während der Vorlesungszeit in Oldenburg auch reichlich gebrauch gemacht…3 mal pro Woche um genau zu sein. Dann war längere Zeit Pause und nun war es dringend an der Zeit, endlich wieder etwas gegen den Energieüberschuss zu unternehmen. Gesagt getan. An meinem neuen Wohnort bin ich von den Studios besagter Kette förmlich umzingelt. Einmal unter dem Steigenberger durch und schon stehe ich vor dem nächsten.
Aber warum erzähle ich das Ganze? In Oldenburg (und Hong Kong) habe ich vermutlich ein falsches Bild von Fitness Studios gewonnen. Es wurde heute ausgetauscht durch das, was ich mir VOR meiner privat-sportlichen Karriere unter dem Begriff vorgestellt habe. In Oldenburg wurde man von angenehm unsportlich wirkendem Personal begrüßt, in HH steht einem ein braungebrannter Sunnyboy mit strahlendem Grinsen bis hinter beide Ohren am Empfang gegenüber. Hatte man in der Provinz grob geschätzte 100 Spinde für sich allein, muss man hier froh sein, wenn man einen Arsch-breiten Platz auf der Umkleidebank ergattern kann. Auf dem Weg aus der Umkleide begegnet man nicht tratschenden Rentnern, sondern einem Rudel Frauen in den frühen dreißigern, die einen mit fiesem Scannerblick und noch fieserem Grinsen wissen lassen, dass die farblich Kombination der Trainingskleidung auf dem nicht vorbildlich geformten Gesäß absolut untragbar ist. Auf dem Weg zu den Tretmühlen kommt man vorbei an einer etwa zu 90% ausgelasteten Kraftabteilung, in der Schwarzenegger-Imitate und Klitschko-Doubles den 08/15-Trainierer wissen lassen, dass er diesen unnatürlich-übertriebenen Muskelaufbau nie erreichen wird…nur den fiesen Blick haben sie nicht so perfekt drauf wie die Damen vor der Umkleide. Bei den Kalorien-Verbennungs-Maschinen angekommen läuft man gegen eine gefühlte Wand: Die Klimaanlage kommt gegen die Masse an dicht gepackten after-work-Stramplern nicht an. Der Gedanke an Matrix drängt sich auf, Stichwort "Menschliche Batterien", wird aber sogleich verdrängt vom Bild eines Dschungels: Zu Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad sowie einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 99% fällt mir eine Herde Gorillas ein, deren männliche Vertreter zwanghaft versuchen, mit ihren mehr oder minder wohlgeformten Körpern soviel Aufsehen als möglich zu veranstalten, während der Testosteron-Gehalt so hoch getrieben wird wie die Achseln es nur irgendwie hergeben. Dazu gesellen sich die weiblichen Vertreter, die das seltsame Ziel verfolgen, die Männchen einerseits durch ihre Anwesenheit und kritische Blicke zu Höchstleistungen zu animieren, gleichzeitig aber ein Maximalmaß an Desinteresse an selbigen zu zeigen. Alles nur mit weniger Fell.
Der ideale Ort für jemanden wie mich, der gerne mal ein Stündchen Sport treiben will, in einer angenehmen Umgebung, unabhängig von Wetter und Tageszeit. Großstadt vs. Oberzentrum: 0:1
One Comment to “Aus einem Hamburger Fitness Studio”
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hongkong ist also ein oberstufenzentrum?
aber das von dir beschriebene verhalten scheint normal zu sein, hier in berlin ist das nicht anders. aber der mensch ist ein gewohnheitstier und passt sich einfach an..:)