Man gönnt sich ja sonst nichts

Ich hatte mir seit Monaten vorgenommen, mich zum bestandenen Diplom einer ordentlichen Portion Autogratifikation hinzugeben. Genauer hatte ich in Planung, mir das LED Cinema Display von Apple als perfekte Ergänzung zu meinem Notebook des selben Herstellers zu schenken. In Anbetracht der Tatsache, dass ich erst im vergangenen Jahr einen neuen Monitor erworben hatte, bin ich aber von diesem Gedanken wieder abgerückt. Auch hätte ich das sperrige und nicht minder empfindliche Gerät dann später in diesem Jahr in eine neue Wohnung (wohin es geht steht noch nicht fest) transportieren müssen, was ich ebenfalls vermeiden wollte.

Mehr oder weniger spontan fiel dann bei einem nächtlichen Espresso in Down-Town-Oldenburg die Entscheidung: Eine Espresso-Maschine muss her. Eigentlich schon immer auf meinem persönlichen Wunschzettel, habe ich bisher nie den Bedarf für ein solches Gerät gesehen. Da meine Arbeitszimmer jetzt aber auch als mein Büro fungiert, wurde eine Kaffeemaschine zum unverzichtbaren Einrichtungsgegenstand. Nach kurzer Recherche im Testheft ging es heute zu Saturn.

Mit dem Namen "Krups" im Hinterkopf fiel die Entscheidung im Laden dann auf eine XN 7106 eben dieses Herstellers, also einen Pad-Automaten, welcher sich ausschließlich mit den Nespresso-Kapseln beschicken lässt. Ich war eigentlich immer gegen derartige Systeme, und insbesondere gegen derart geschlossene wie jenes von Nestlé (ganz abgesehen davon, dass das Unternehmen an sich höchst unsympathisch ist). Der Grund, weswegen ich mich letztendlich doch dafür entschieden habe, zeigt gewisse Parallelen zu meinem Apple-Kauf: Das Gerät überzeugte. Die Maschine ist sehr einfach zu reinigen, hat einen technisch sehr elegant ausgeführten Milchaufschäumer (keine dieser kaum sauberzukriegenden Wasserdampfdüsen) und sieht nicht zuletzt gut aus. Durch den im Mittelfeld rangierenden Beschaffungswiderstand war auch ein akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis gegeben.

Erste Tests ergaben: Allen Unkenrufen zum Trotz, Kapselkaffee schmecke nicht, war das Resultat qualitativ deutlich hochwertiger als das, was ich in den letzten Monaten in Restaurants und Cafes getrunken habe. Ebenfalls positiv anzumerken ist der (theoretisch) gute Wartungsservice. Sollte die Maschine einmal defekt sein, wird das Gerät abgeholt, ein Ersatzgerät gestellt und eine Reparatur innerhalb von 7 Tagen versprochen. Manko: Auf Grund der bereits oben erwähnten Geschlossenheit des Nespresso-Systems, lassen sich die Kapseln nur direkt vom Hersteller erwerben. Einen Vertrieb über den regulären Handel gibt es nicht, der Preis pro Kapsel ist vergleichsweise hoch. Bisher war die Qualität von Maschine und Kaffee aber sehr überzeugend…jetzt muss ich nur noch die 16 verschiedenen "Grand Crus" durchprobieren ;)

Wieder daneben gegriffen

Freitags steht vor dem Supermarkt meines Vertrauens immer der Fischwagen. Da ich nun seit einigen Tagen wieder willens und in der Lage bin, mein Mittagessen selbst zuzubereiten, habe ich mir heute morgen spontan ein Fischfilet für die Pfanne mitgenommen. Ich habe mich dabei auf die Beratung der Fachverkäuferin verlassen und mich vor allem nach den kulinarischen Qualitätskriterien entschieden, also Grätenfreiheit und Geschmack.

Wenn ich Fisch gekauft habe, werfe ich nach meiner Ankunft zuhause meistens einen Blick auf die Infotafel von Greenpeace, welche mir sagt, wie sehr ich dem Planeten mit meinem soeben getätigten Einkauf wieder wehgetan habe. Und diesmal war es mal wieder ein 100%iger Griff ins Klo in die Nordsee: In meiner Pfanne landet heute ein Filet des Rotbarsch, also einer massiv überfischten, schlecht erforschten Art, die auf der Infotafel im tiefroten "katastrophal"-Bereich aufgeführt ist.

Merke an mich selbst: Liste auswendig lernen. Beim nächsten Mal nachfragen *ärger*.

PS: Die eben erwähnte, sehr nützliche Schautafel gibt es mittlerweile wohl nicht nur als Wandbild, sondern auch als kompakten Ratgeber für unterwegs: [klick]. Also doch nicht auswendig lernen :)

Jetzt gibt’s mich auch mit PGP

Im Rahmen der Internationalisierung von AirlineSim hat das Aufkommen von "geschäftskritischer Kommunikation" in meinem Email-Postfach bedeutend zugenommen. Dies betrifft vor allem die umfangreiche Bürokratie die offensichtlicht nötig ist, um mit Payment-Dienstleistern ins Geschäft zu kommen. Da es hierbei letztendlich um Geld geht, steigen natürlich auch die Anforderungen an die Sicherheit. Entsprechend erreichte mich heute die Aufforderung, doch bitte einen öffentlichen PGP-Key zu übermitteln. Der Begriff PGP sagte mir wohl etwas, beschäftigt hatte ich mich damit aber noch nicht. Mit Googles Hilfe lies sich aber schnell ein Tutorial finden, um das recht problemlos auf meinem Mac und mit Mail zum Laufen zu kriegen. 

Kurz eine Zusammenfassung von einem Security-Laien, um was es hier eigentlich geht: Man erzeugt zwei sogenannte Schlüssel, einen öffentlichen und einen privaten. Den öffentlichen Teil lässt man den Personen zukommen, mit denen man gerne sicher kommunizieren möchte (zum Beispiel per Email). Diese können mit Hilfe dieses Schlüssels eine Nachricht verschlüsseln, die vom Empfänger dann nur noch mit dem dazu passenden privaten Schlüssel gelesen werden kann. Da Verschlüsselung mitunter etwas aufwändig sein kann und der Empfänger zwangsweise in der Lage sein muss, die Nachricht mit einer ebenfalls vorhandenen PGP-Installation und dem passenden Key zu entschlüsseln, kann man stattdessen (oder zumindest) die Email signieren. Damit kann der entsprechend ausgerüstete Empfänger überprüfen, ob die Nachricht auf ihrem Weg nicht von Dritten verändert wurde, während sie aber  aber trotzdem für jeden lesbar bleibt.

Wie gesagt war die Installation sehr einfach und verlief problemlos. Ich habe mangels Interesse nicht nach entspechender Software für Windows gesucht, diese ist aber mit Sicherheit ebenfalls verfügbar. Meinen neuen Key kann man sich hier [klick] besorgen…meine ausgehenden Emails werden ab sofort immer automatisch signiert.

Star Trek 0

Ich bin soeben aus dem Kino zurückgekommen. Es lief der neue Star Trek. Dieser Eintrag wird deutlich kürzer als der zu den neuen Bonds…es gibt nicht viel zu sagen. Das Nokia-Product-Placement war zum lachen und zum heulen zugleich…aber das war nur eine Kleinigkeit. Der Rest des Films hat alle meine Erwartungen übertroffen. Die Anspielungen an vergangene Star Trek Filme und Serien waren zahlreich und authentisch, die Story spannend und ausgewogen, die Effekte und der grafische Stil perfekt. Ein Muss für alle Fans der Serie und alle, die es noch werden möchten!  

Startprobleme mit Excel für den Mac

Seit ich hauptsächlich auf einem Mac arbeite bin ich Nutzer von Office:mac 2008. Leider waren meine Erfahrungen mit diesem Softwarepaket bisher alles andere als positiv. An diversen Ecken krankt es an verschiedenen Bugs und es will sich auch nicht so rund in das Betriebssystem einpassen, wie das bei anderer Software für OS X der Fall ist. Ein Problem ging mir aber ganz besonders auf die Nerven: Nach nur wenigen Benutzungen von Excel weigerte sich dieses wehement, sich starten zu lassen. Egal ob man ein Dokument per Doppelklick öffnen das Program als solches öffnen wollte, man bekam nur Fragmente der Benutzeroberfläche zu sehen bevor es einfror oder sich mit einem Fehler komplett verabschiedete.

Um das Problem zu beheben versuchte ich diverse Tricks aus dem Internet, unter anderem das selektive Löschen von Arbeitsdateien oder die komplette Neuinstallation…nichts half. Bis ich dann vorgestern durch Zufall auf die Lösung gestoßen bin: Um besser arbeiten zu können habe ich bei großen Dateien Excel auf meinen deutlich größeren Zweitbildschirm gezogen und nach getaner Arbeit das Programm geschlossen. Da ich nur zuhause einen zweiten Monitor habe, startete Excel danach meistens auf dem primären Bildschirm des Notebooks…und stürzte ab. Erst als ich diese Woche wieder einmal den zusätzlichen Bildschirm angeschlossen und Excel gestartet habe, lief alles reibungslos. Verwirrt versuchte ich auszumachen, was jetzt anders sei als die Wochen zuvor, bis mir die Eingabeleiste von Excel auffiel: Diese ist bei Excel in der Mac-Version ein losgelöstes Fenster und befand sich auf dem zweiten Bildschirm, während das Hauptfenster auf dem Laptopdisplay platziert war. Offensichtlich hat sich Excel daran aufgehangen, dass sich die Eingabeleiste auf einem Bildschirm befindet, der nicht existiert.

Ein Bugreport an Apple/MS ist raus, allerdings rechne ich bei deren Tempo nicht mit einem schnellen Fix. Bis dahin hilft dieser Eintrag eventuell dem einen oder anderen.

Aus einem Hamburger Fitness Studio

Manch einer hat es eventuell mitbekommen: Zwecks meines (hoffentlich) letzten Praktikums residiere ich derzeit in Hamburg. Wie das mit Büro-Jobs so ist, verbringt man geregelte 8 Stunden am Tag im Büro…sitzend. Mittags ernährt man sich dann in 80% der Fälle von mehr oder weniger ungesunden Nahrungsmitteln um abends sportlichen Hobbies wie Browsergames oder Webcomics nachzugehen. Alles in allem führt dies zu einer…nennen wir es mal positiven Energiebilanz mit negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Um dem entgegen zu wirken erkaufe ich mir seit mehr als einem halben Jahr monatlich das vertraglich geregelte Recht, in jedem FitnessCompany FitnessFirst Studio weltweit Kalorien zu verbrennen. Von diesem habe ich während der Vorlesungszeit in Oldenburg auch reichlich gebrauch gemacht…3 mal pro Woche um genau zu sein. Dann war längere Zeit Pause und nun war es dringend an der Zeit, endlich wieder etwas gegen den Energieüberschuss zu unternehmen. Gesagt getan. An meinem neuen Wohnort bin ich von den Studios besagter Kette förmlich umzingelt. Einmal unter dem Steigenberger durch und schon stehe ich vor dem nächsten.

Aber warum erzähle ich das Ganze? In Oldenburg (und Hong Kong) habe ich vermutlich ein falsches Bild von Fitness Studios gewonnen. Es wurde heute ausgetauscht durch das, was ich mir VOR meiner privat-sportlichen Karriere unter dem Begriff vorgestellt habe. In Oldenburg wurde man von angenehm unsportlich wirkendem Personal begrüßt, in HH steht einem ein braungebrannter Sunnyboy mit strahlendem Grinsen bis hinter beide Ohren am Empfang gegenüber. Hatte man in der Provinz grob geschätzte 100 Spinde für sich allein, muss man hier froh sein, wenn man einen Arsch-breiten Platz auf der Umkleidebank ergattern kann. Auf dem Weg aus der Umkleide begegnet man nicht tratschenden Rentnern, sondern einem Rudel Frauen in den frühen dreißigern, die einen mit fiesem Scannerblick und noch fieserem Grinsen wissen lassen, dass die farblich Kombination der Trainingskleidung auf dem nicht vorbildlich geformten Gesäß absolut untragbar ist. Auf dem Weg zu den Tretmühlen kommt man vorbei an einer etwa zu 90% ausgelasteten Kraftabteilung, in der Schwarzenegger-Imitate und Klitschko-Doubles den 08/15-Trainierer wissen lassen, dass er diesen unnatürlich-übertriebenen Muskelaufbau nie erreichen wird…nur den fiesen Blick haben sie nicht so perfekt drauf wie die Damen vor der Umkleide. Bei den Kalorien-Verbennungs-Maschinen angekommen läuft man gegen eine gefühlte Wand: Die Klimaanlage kommt gegen die Masse an dicht gepackten after-work-Stramplern nicht an. Der Gedanke an Matrix drängt sich auf, Stichwort "Menschliche Batterien", wird aber sogleich verdrängt vom Bild eines Dschungels: Zu Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad sowie einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 99% fällt mir eine Herde Gorillas ein, deren männliche Vertreter zwanghaft versuchen, mit ihren mehr oder minder wohlgeformten Körpern soviel Aufsehen als möglich zu veranstalten, während der Testosteron-Gehalt so hoch getrieben wird wie die Achseln es nur irgendwie hergeben. Dazu gesellen sich die weiblichen Vertreter, die das seltsame Ziel verfolgen, die Männchen einerseits durch ihre Anwesenheit und kritische Blicke zu Höchstleistungen zu animieren, gleichzeitig aber ein Maximalmaß an Desinteresse an selbigen zu zeigen. Alles nur mit weniger Fell.

Der ideale Ort für jemanden wie mich, der gerne mal ein Stündchen Sport treiben will, in einer angenehmen Umgebung, unabhängig von Wetter und Tageszeit. Großstadt vs. Oberzentrum: 0:1

Was auch immer es ist…

…es sieht verdammt beeindruckend aus! Introversion, die Macher hinter Titeln wie Darwinia und Defcon, basteln schon seit einiger Zeit an einem neuen Werk namens "Subversion" (nein, nicht das Versionsverwaltungssystem). Nachdem es lange ruhig um das Projekt war, gibt es jetzt wieder einen neuen Blogeintrag inklusive Video über den aktuellen Entwicklungsstand. Zwar wissen weder die Erschaffer noch die faszinierten Zuschauer, WAS genau das eines Tages (spielbares) ergeben soll…aber ich beneide die Jungs um ihren Mut und ihre Möglichkeit, einfach mal auf diese Weise zu "brainstormen" und etwas neues auszuprobieren, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben.

Aber genug gesabbelt…hier der Link zur allgemeinen Unterhaltung: Klick!

Casino Royal II

Nun hatte ich gestern endlich das Vergnügen "Quantum of Solace" im Kino zu sehen. Ähnlich zu Casino Royal war meine Vorfreude riesig und ich konnte es kaum erwarten zu erfahren, wie "der neue Bond" weiterentwickelt würde. 

In der Tat ist der neue Film eine direkte Fortsetzung des "Vorgängers"…vielleicht sogar etwas zu direkt. Einige meiner Begleiter meinten, sie hätten vielen Teile des Film einfach nicht verstanden, weil sie nur im Kontext mit Casino Royal überhaupt einen Sinn ergeben. Die Story handelt im Grunde davon, wie Bond lernt mit dem Verlust Vespers umzugehen und wie er dabei zwischen Rache und Auftrag hin und her pendelt. Das war es dann aber auch fast schon in Sachen Geschichte…der Bösewicht ist wie in Casino Royal eher ein kleines Rad in einem großen Getriebe. Der Plan von Quantum (der Geheimorganisation), mit unterirdischen Dämmen die Wasserversorgung von Bolivien zu kontrollieren hat in seinen Ausmaßen Qualitäten klassischer Bond-Filme…wird aber leider in keinster Weise auch so genutzt: Man sieht nicht wie Bond den Damm unter Dauerfeuer in Einzelteile zerlegt und es rollt auch keine gigantische Flutwelle durch unterirdische Flussbetten. Stattdessen wird der Augenmerk auf die Folgen für die Menschen gerichtet, mit deutlichen Hinweisen auf Probleme der echten Welt und auch Bonds Verfahrensweise mit seinem überwältigten Gegner mutet eher wie eine Moralpredigt an.

Auch wenn es bisher nicht so klingt: Gefallen hat mit der Film trotzdem. Sicher, ohne Casino Royal wird er niemals Sinn machen. Er ist und bleibt eine Fortsetzung, wenn nicht sogar ein Anhang zu Bond Nummer 21. Aber als solcher funktioniert er gut. Die Action steht dem "Original" in nichts nach und der Stil wurde weitestgehend übernommen. Auf penetrantes product placement wie im Vorgänger wurde erstaunlicherweise verzichtet…die repräsentierten Marken schmiegen sich gut ins Gesamtbild. Auch sonst merkt man dem Film an, dass er nicht von einem Action-Regisseur stammt, sondern dass unter der Haube sehr feinfühlig mit der wie gesagt dünnen Story umgegangen wurde. So halte ich es nach dem Film tatsächlich für eine gute Idee, dass auf wichtige Bond-Phrasen, wie zum Beispiel das berühmte "Mein Name ist Bond, James Bond", verzichtet wurde, weil sie nicht so recht ins Bild passen. Dafür dürfte es in späteren Filmen deutlich konsistenter wirken, wenn er zu seinen alten Floskeln zurückkehrt…schon in Quantum of Solace war die Dichte typischer Bond-Sprüche deutlich höher als in Casino Royal, war die Tendenz zu Bonds Hang zu teurem Lebensstil erkennbar und näherte sich sein Umgang mit Frauen dem an, was man von früher kennt. Die Macher tasten sich eindeutig sehr vorsichtig an das heran, was man vor Daniel Craig unter "James Bond" vestanden hat.

Was ist also mein Fazit? Als alleinstehender Film wäre Quantum of Solace mit Sicherheit kein Meisterwerk und auch in der Reihe der Bond-Filme sieht er etwas blass aus. Wenn man aber ein so großer Fan von Casino Royal und der Charakterentwicklung des neuen Bond ist wie ich, dann macht es Spaß den neusten Teil der Serie anzusehen. Er steigert ungemein meine Vorfreude bzw. Hoffnung darauf, dass in einem der darauf folgenden Filme der Bogen geschlossen wird, dass die Produzenten weiter so erfolgreich das alte Bond-Bild mit der modernen Welt verschmelzen lassen und dass somit eines Tages auch Gadgets, Q und Moneypenny zurückkehren dürfen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Der neue Film ist auf seine Weise sehr ehrlich und sehr konsequent. Für Fans auf jeden Fall zu empfehlen!

Privatwirtschaft vs. Staat – 1:0

Dass der Staat – oder eher seine Köpfe – alles tun würde um ein paar Punkte in der Gunst alles-glaubender Bild-Leser zu steigen wissen wir. Dass dabei wenig Rücksicht auf eine Staatsverschuldung genommen wird, die in ihren Auswirkungen um ein vielfaches schlimmer enden könnte als irgendeine Wirtschaftskrise, ist auch seit Jahrzehnten bekannt. Trotzdem möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass die Privatwirtschaft wenigstens weiß, wie sie diese Unfähigkeit möglichst geschickt ausnutzen kann. Oder kann mir bitte einer erklären wo hier die Logik steckt:

2007 hat die Commerzbank einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro ausgewiesen, was vermutlich niemanden weiter überrascht hat. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres ist der Gewinn des Unternehmens wegen der Finanzkrise auf 0,9 Milliarden "eingebrochen". Wohl gemerkt: Einen Gewinn macht man allem Anschein nach immer noch. Es wird auch von "weiteren Belastungen im Bereich einer Milliarde" gesprochen, aber das könnte alles sein, zum Beispiel Buchverluste auf Grund der momentan etwas eingesackten Aktienkurse. Soweit, sogut. Wenn das Unternehmen nicht auf den Kopf gefallen ist, wird es das irgendwie wegstecken. Trotzdem spielt die Bank ein am Boden liegendes Häufchen Elend und erweckt somit ausreichend Mitleid um Papa-Staat mal eben 8,2 Milliarden Euro (?!) aus den Rippen zu leiern…zzgl. einer 15 Milliarden schweren Garantie für Schuldverschreibungen.

Vielleicht fehlt mir als Laie das Verständnis für die entsprechenden Zusammenhänge. Aber irgendwie riecht das für mich als würden sich in einem Edelbüro im Commerzbank-Tower gerade ein paar Herren ins Fäustchen lachen…

Geld als Schuld

Im Rahmen von Finanzkrise und drohendem Weltuntergang wurde ich von meinem Lieblingsproduktivitätshemmer auf einen Film aufmerksam gemacht, der ähnlich der Serie "Wie funktioniert Geld?" die Entstehung und die Funktionsweise des modernen Geld- und Bankensystems erklärt: Geld als Schuld. Darüber hinaus versucht er zu vermitteln, dass die Loslösung des Geldes von tatsächlichen Werten und die auf exponentiellem Wachstum basierende Weltwirtschaft für die übermäßige Ausbeutung des Planeten, soziale Ungerechtigkeit und mittel- bis langsfristig für einen Kollaps des gesamten Systems verantwortlich sein würde.

Als Lösungsansatz wird, wenn ich das richtig verstehe, eine Variante des Freigeldes vorgeschlagen: Die Geldmenge soll möglichst konstant bleiben und an tatsächlich Werte gekoppelt sein (im Film werden Infrastrukturobjekte als Deckung vorgeschlagen). Zinsen soll es nicht geben und Banken würden lediglich als nicht profitorientierte Organisationen bei der Verwaltung des Geldes helfen, indem sie das Geld von Personen mit Geldüberschuss an solche mit Kreditbedarf ausleihen. Für diese Dienstleistung sollte lediglich eine Gebühr verlangt werden, welche die Betriebskosten dieser Organisation deckt. Der Hintergedanke ist simpel: Geld wurde ursprünglich eingeführt, um den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu vereinfachen; also als ein reines Tauschmittel. Da es aber auch das "Lagern" von Werten ermöglicht war es in den meisten Kulturkreisen verpönt oder verboten Geld gegen einen Zins zu verleihen, da man somit lediglich durch Besitz von Geld mehr Geld verdienen konnte, ohne tatsächlich dafür zu arbeiten. Wie wir alle Wissen sind diese Verbote schon seit langem Geschichte, eine Anhäufung von Geld bei wenigen Personen und/oder Institutionen ist die Folge und auf die eine oder andere Weise hängen alle Personen, Unternehmen und sogar Staaten von dieser vergleichsweise kleinen Gruppe ab. Die Tatsache, dass das meiste Geld nurnoch durch Schulden gedeckt ist, verschärft die Situation wie im Film dargestellt natürlich noch weiter.

So weit, so nachvollziehbar. Aber selbstverständlich hat dieser Entwurf mindestens einen grundlegenden Makel: Wenn Geld seinen Wert praktisch nicht mehr verliert [vorausgesetzt die Steuerung der Geldmenge funktioniert überhaupt so zuverlässig] und ich für angespartes Kapital keine Zinsen bekomme…warum sollte ich es dann an andere verleihen? Ich hätte damit nur das Risiko, es nicht wieder zu bekommen, aber sonst keinerlei Vorteil. Ich könnte es ebenso gut unter die Matratze legen oder es einfach direkt wieder ausgeben. Insbesondere letzteres ist ein Hauptargument für Freigeld, da damit das Geld stets im Umlauf bleibt und Arbeit nachgefragt wird [Zumindest auf einer regionalen Ebene für Handwerker, Einzelhändler etc., darüber hinaus übernehmen Banken ja genau diese Funktion, Geld dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird]. Allerdings wird es schwierig bis unmöglich, große Investitionsprojekte durchzuführen, da das "sparen" viel zu lange dauern würde, Kredite aber von anderen nicht zu erwarten sind.

Ist der Film also nichts weiter als ein Traum von verstecktem Kommunismus? Ich bin wahrlich kein Ökonom und die komplexen Zusammenhänge der Finanzwirtschaft zu verstehen ist (wie die Finanzkrise zeigt) wohl auch für die "Profis" nicht ganz einfach. Aber ich denke, dass der Film zumindest in dem Punkt recht hat, dass eine exponentiell wachsense Geldmenge unweigerlich in eine Sackgasse führt, wenn wir nicht zeitnah mit der Kolonisation des restlichen Universums anfangen. Sogesehen wäre es vermutlich durchaus sinnvoll, die Geldmenge wieder an eine naturgegebene Größe zu koppeln. Mein erster Gedanke war, es doch einfach an die Anzahl Einwohner des Wirtschaftsraumes zu binden, in dem die entsprechende Währung eingesetzt wird. In gewissen Abständen müsste der "Pro-Kopf-Betrag" an weitere Faktoren angepasst werden, wie zum Beispiel einem tatsächlich Wachstum der Realwirtschaft oder einer vermehrten Nutzung des Geldes in anderen Wirtschaftsräumen. Ein Zinssystem wäre in jedem Fall weiter notwendig um einen effizienten Einsatz des Geldes zu ermöglichen. Ob das Ganze dann aber tatsächlich besser wäre…keine Ahnung. Aber optimal ist der status quo mit ziemlicher Sicherheit nicht.