Im Rahmen von Finanzkrise und drohendem Weltuntergang wurde ich von meinem Lieblingsproduktivitätshemmer auf einen Film aufmerksam gemacht, der ähnlich der Serie "Wie funktioniert Geld?" die Entstehung und die Funktionsweise des modernen Geld- und Bankensystems erklärt: Geld als Schuld. Darüber hinaus versucht er zu vermitteln, dass die Loslösung des Geldes von tatsächlichen Werten und die auf exponentiellem Wachstum basierende Weltwirtschaft für die übermäßige Ausbeutung des Planeten, soziale Ungerechtigkeit und mittel- bis langsfristig für einen Kollaps des gesamten Systems verantwortlich sein würde.
Als Lösungsansatz wird, wenn ich das richtig verstehe, eine Variante des Freigeldes vorgeschlagen: Die Geldmenge soll möglichst konstant bleiben und an tatsächlich Werte gekoppelt sein (im Film werden Infrastrukturobjekte als Deckung vorgeschlagen). Zinsen soll es nicht geben und Banken würden lediglich als nicht profitorientierte Organisationen bei der Verwaltung des Geldes helfen, indem sie das Geld von Personen mit Geldüberschuss an solche mit Kreditbedarf ausleihen. Für diese Dienstleistung sollte lediglich eine Gebühr verlangt werden, welche die Betriebskosten dieser Organisation deckt. Der Hintergedanke ist simpel: Geld wurde ursprünglich eingeführt, um den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu vereinfachen; also als ein reines Tauschmittel. Da es aber auch das "Lagern" von Werten ermöglicht war es in den meisten Kulturkreisen verpönt oder verboten Geld gegen einen Zins zu verleihen, da man somit lediglich durch Besitz von Geld mehr Geld verdienen konnte, ohne tatsächlich dafür zu arbeiten. Wie wir alle Wissen sind diese Verbote schon seit langem Geschichte, eine Anhäufung von Geld bei wenigen Personen und/oder Institutionen ist die Folge und auf die eine oder andere Weise hängen alle Personen, Unternehmen und sogar Staaten von dieser vergleichsweise kleinen Gruppe ab. Die Tatsache, dass das meiste Geld nurnoch durch Schulden gedeckt ist, verschärft die Situation wie im Film dargestellt natürlich noch weiter.
So weit, so nachvollziehbar. Aber selbstverständlich hat dieser Entwurf mindestens einen grundlegenden Makel: Wenn Geld seinen Wert praktisch nicht mehr verliert [vorausgesetzt die Steuerung der Geldmenge funktioniert überhaupt so zuverlässig] und ich für angespartes Kapital keine Zinsen bekomme…warum sollte ich es dann an andere verleihen? Ich hätte damit nur das Risiko, es nicht wieder zu bekommen, aber sonst keinerlei Vorteil. Ich könnte es ebenso gut unter die Matratze legen oder es einfach direkt wieder ausgeben. Insbesondere letzteres ist ein Hauptargument für Freigeld, da damit das Geld stets im Umlauf bleibt und Arbeit nachgefragt wird [Zumindest auf einer regionalen Ebene für Handwerker, Einzelhändler etc., darüber hinaus übernehmen Banken ja genau diese Funktion, Geld dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird]. Allerdings wird es schwierig bis unmöglich, große Investitionsprojekte durchzuführen, da das "sparen" viel zu lange dauern würde, Kredite aber von anderen nicht zu erwarten sind.
Ist der Film also nichts weiter als ein Traum von verstecktem Kommunismus? Ich bin wahrlich kein Ökonom und die komplexen Zusammenhänge der Finanzwirtschaft zu verstehen ist (wie die Finanzkrise zeigt) wohl auch für die "Profis" nicht ganz einfach. Aber ich denke, dass der Film zumindest in dem Punkt recht hat, dass eine exponentiell wachsense Geldmenge unweigerlich in eine Sackgasse führt, wenn wir nicht zeitnah mit der Kolonisation des restlichen Universums anfangen. Sogesehen wäre es vermutlich durchaus sinnvoll, die Geldmenge wieder an eine naturgegebene Größe zu koppeln. Mein erster Gedanke war, es doch einfach an die Anzahl Einwohner des Wirtschaftsraumes zu binden, in dem die entsprechende Währung eingesetzt wird. In gewissen Abständen müsste der "Pro-Kopf-Betrag" an weitere Faktoren angepasst werden, wie zum Beispiel einem tatsächlich Wachstum der Realwirtschaft oder einer vermehrten Nutzung des Geldes in anderen Wirtschaftsräumen. Ein Zinssystem wäre in jedem Fall weiter notwendig um einen effizienten Einsatz des Geldes zu ermöglichen. Ob das Ganze dann aber tatsächlich besser wäre…keine Ahnung. Aber optimal ist der status quo mit ziemlicher Sicherheit nicht.