Dass der Staat – oder eher seine Köpfe – alles tun würde um ein paar Punkte in der Gunst alles-glaubender Bild-Leser zu steigen wissen wir. Dass dabei wenig Rücksicht auf eine Staatsverschuldung genommen wird, die in ihren Auswirkungen um ein vielfaches schlimmer enden könnte als irgendeine Wirtschaftskrise, ist auch seit Jahrzehnten bekannt. Trotzdem möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass die Privatwirtschaft wenigstens weiß, wie sie diese Unfähigkeit möglichst geschickt ausnutzen kann. Oder kann mir bitte einer erklären wo hier die Logik steckt:
2007 hat die Commerzbank einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro ausgewiesen, was vermutlich niemanden weiter überrascht hat. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres ist der Gewinn des Unternehmens wegen der Finanzkrise auf 0,9 Milliarden "eingebrochen". Wohl gemerkt: Einen Gewinn macht man allem Anschein nach immer noch. Es wird auch von "weiteren Belastungen im Bereich einer Milliarde" gesprochen, aber das könnte alles sein, zum Beispiel Buchverluste auf Grund der momentan etwas eingesackten Aktienkurse. Soweit, sogut. Wenn das Unternehmen nicht auf den Kopf gefallen ist, wird es das irgendwie wegstecken. Trotzdem spielt die Bank ein am Boden liegendes Häufchen Elend und erweckt somit ausreichend Mitleid um Papa-Staat mal eben 8,2 Milliarden Euro (?!) aus den Rippen zu leiern…zzgl. einer 15 Milliarden schweren Garantie für Schuldverschreibungen.
Vielleicht fehlt mir als Laie das Verständnis für die entsprechenden Zusammenhänge. Aber irgendwie riecht das für mich als würden sich in einem Edelbüro im Commerzbank-Tower gerade ein paar Herren ins Fäustchen lachen…
Im Rahmen von Finanzkrise und drohendem Weltuntergang wurde ich von meinem Lieblingsproduktivitätshemmer auf einen Film aufmerksam gemacht, der ähnlich der Serie "Wie funktioniert Geld?" die Entstehung und die Funktionsweise des modernen Geld- und Bankensystems erklärt: Geld als Schuld. Darüber hinaus versucht er zu vermitteln, dass die Loslösung des Geldes von tatsächlichen Werten und die auf exponentiellem Wachstum basierende Weltwirtschaft für die übermäßige Ausbeutung des Planeten, soziale Ungerechtigkeit und mittel- bis langsfristig für einen Kollaps des gesamten Systems verantwortlich sein würde.
Als Lösungsansatz wird, wenn ich das richtig verstehe, eine Variante des Freigeldes vorgeschlagen: Die Geldmenge soll möglichst konstant bleiben und an tatsächlich Werte gekoppelt sein (im Film werden Infrastrukturobjekte als Deckung vorgeschlagen). Zinsen soll es nicht geben und Banken würden lediglich als nicht profitorientierte Organisationen bei der Verwaltung des Geldes helfen, indem sie das Geld von Personen mit Geldüberschuss an solche mit Kreditbedarf ausleihen. Für diese Dienstleistung sollte lediglich eine Gebühr verlangt werden, welche die Betriebskosten dieser Organisation deckt. Der Hintergedanke ist simpel: Geld wurde ursprünglich eingeführt, um den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu vereinfachen; also als ein reines Tauschmittel. Da es aber auch das "Lagern" von Werten ermöglicht war es in den meisten Kulturkreisen verpönt oder verboten Geld gegen einen Zins zu verleihen, da man somit lediglich durch Besitz von Geld mehr Geld verdienen konnte, ohne tatsächlich dafür zu arbeiten. Wie wir alle Wissen sind diese Verbote schon seit langem Geschichte, eine Anhäufung von Geld bei wenigen Personen und/oder Institutionen ist die Folge und auf die eine oder andere Weise hängen alle Personen, Unternehmen und sogar Staaten von dieser vergleichsweise kleinen Gruppe ab. Die Tatsache, dass das meiste Geld nurnoch durch Schulden gedeckt ist, verschärft die Situation wie im Film dargestellt natürlich noch weiter.
So weit, so nachvollziehbar. Aber selbstverständlich hat dieser Entwurf mindestens einen grundlegenden Makel: Wenn Geld seinen Wert praktisch nicht mehr verliert [vorausgesetzt die Steuerung der Geldmenge funktioniert überhaupt so zuverlässig] und ich für angespartes Kapital keine Zinsen bekomme…warum sollte ich es dann an andere verleihen? Ich hätte damit nur das Risiko, es nicht wieder zu bekommen, aber sonst keinerlei Vorteil. Ich könnte es ebenso gut unter die Matratze legen oder es einfach direkt wieder ausgeben. Insbesondere letzteres ist ein Hauptargument für Freigeld, da damit das Geld stets im Umlauf bleibt und Arbeit nachgefragt wird [Zumindest auf einer regionalen Ebene für Handwerker, Einzelhändler etc., darüber hinaus übernehmen Banken ja genau diese Funktion, Geld dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird]. Allerdings wird es schwierig bis unmöglich, große Investitionsprojekte durchzuführen, da das "sparen" viel zu lange dauern würde, Kredite aber von anderen nicht zu erwarten sind.
Ist der Film also nichts weiter als ein Traum von verstecktem Kommunismus? Ich bin wahrlich kein Ökonom und die komplexen Zusammenhänge der Finanzwirtschaft zu verstehen ist (wie die Finanzkrise zeigt) wohl auch für die "Profis" nicht ganz einfach. Aber ich denke, dass der Film zumindest in dem Punkt recht hat, dass eine exponentiell wachsense Geldmenge unweigerlich in eine Sackgasse führt, wenn wir nicht zeitnah mit der Kolonisation des restlichen Universums anfangen. Sogesehen wäre es vermutlich durchaus sinnvoll, die Geldmenge wieder an eine naturgegebene Größe zu koppeln. Mein erster Gedanke war, es doch einfach an die Anzahl Einwohner des Wirtschaftsraumes zu binden, in dem die entsprechende Währung eingesetzt wird. In gewissen Abständen müsste der "Pro-Kopf-Betrag" an weitere Faktoren angepasst werden, wie zum Beispiel einem tatsächlich Wachstum der Realwirtschaft oder einer vermehrten Nutzung des Geldes in anderen Wirtschaftsräumen. Ein Zinssystem wäre in jedem Fall weiter notwendig um einen effizienten Einsatz des Geldes zu ermöglichen. Ob das Ganze dann aber tatsächlich besser wäre…keine Ahnung. Aber optimal ist der status quo mit ziemlicher Sicherheit nicht.
…es wird also mal wieder Zeit irgendwas mitzumachen was schwer nach "Web 2.0" riecht: Micro-Blogging! Warum das Ganze? Zu allerlei Themen schwirren mir jeden Tag dutzende Ideenschnipsel durch den Kopf aus denen sich in der Regel auch ein Text formt, der gut in meinen Blog passen würde. Allerdings fehlt meistens die Motivation, die Zeit oder beides um diesen Text dann auch tatsächlich hier zu verewigen. Eigentlich schade, denn zu den meisten dieser Hirngespinste würde mich die Meinung und/oder Reaktion anderer interessieren, sei es nun zur aktuellen Weltpolitik oder zum nächsten Feature in AirlineSim. Wenn man für die Formulierung dieser Gedanken nur maximal 140 Zeichen zur Verfügung hat, sollte die Hemmschwelle eigentlich so niedrig sein, dass man immer die Zeit findet eine Idee zu konservieren…quasi wie ein Schmierzettel, den jeder mitlesen kann.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mich, vorerst mal testweise, mit der notwendigen Infrastruktur eingedeckt. Wollte ich anfangs noch auf den Urvater des Microbloggings Twitter setzen, wurde ich schnell wieder von diesem falschen Weg abgebracht und auf einen offenen Standard mit OpenSource-Implementierung hingewiesen…was will man mehr. Daher ist mein tagesaktueller Braindump jetzt bei Identi.ca zu finden und jeder den es interessiert kann sich dort einklinken und gegebenfalls mitmachen. Nettes Feature welches mir daran besonders gefällt: Ich kann meine "dents" per XMPP übertragen….ein Traum!
Ich habe gestern das erste mal seit sehr langer Zeit wieder einmal last.fm gehört. Für alle die es nicht kennen: Man gibt einen Titel oder Künstler ein und das Programm generiert basierend auf dieser Eingabe einen "Radiosender" mit dazu passenden Titeln. Man verfeinert die automatische Auswahl indem man gespielte Titel positiv oder negativ bewertet oder Musik manuell zur eigenen Lieblingsliste hinzufügt. So getan hatte ich den Sender gestern über den ganzen Tag hinweg mehrere Stunden laufen. Während der Einstieg wie bei mir eigentlich normal von elektronischer Musik dominiert war nahm gegen Ende der Anteil an Blues, Jazz und allgemein Musik schwarzer Künstler des letzten Jahrhunderts merklich zu, was m.E. an einer James Bond Sountrack-Compilation lag, die ich dort wohl vor langer Zeit als "Favorit" angeben hatte. Ich höre ja in der Tat auch gerne mal solche Musik, insbesondere von Marvin Gaye oder Curtis Mayfield. Also soweit sogut.
Nun hatte ich vor einigen Wochen eine CD bei Amazon.com bestellt, da sie in Deutschland nicht zu kriegen war. Diese CD war, meinem hauptsächlichen Musikgeschmack entsprechend, eher im Bereich Elektro angesiedelt. Und auch sonst bestelle ich eigentlich fast nur solche Musik, Ausnahmen bestätigen die Regel. Entsprechend zielsicher haben mir alle lokalen Instanzen von Amazon auch immer solche Musik empfohlen…auch in den Emails die ich seit einiger Zeit nun von zwei verschiedenen Amazons bekomme.
Heute dann das erstaunliche: Es flattert eine Email von Amazon.com ins Postfach mit 16 Musikempfehlungen von Frank Sinatra über Nat King Cole bis Louis Armstrong. In diesem Moment war ich etwas verblüfft und obwohl ich sonst derartige "Zufälle" hartgesotten als solche abtue, zwingt sich in diesem Falle doch der Verdacht auf, dass hier mit (eindrucksvollem) Einsatz heutiger Technik meine Musikvorlieben von einem Anbieter zum anderen getauscht wurden. Ich schreibe das hier zunächst einmal wertfrei…ich gehöre nach eigener Einschätzung wohl zu einer Generation, die soetwas als "Dienstleistung" und nicht "totale Durchleuchtung" empfindet. Aber trotzdem…es gibt einem zu denken. Sehr.
The last few weeks AirlineSim have been quite a bit of fun again and it almost feels like the good old times. With the definite decission taken that we want to roll out an English version of the game before the end of the year a whole lot of things have happened. Let me summarize real quick:
First of all, the yearly team meeting which took place at a classic location in Stuttgart was a great success in any sense. Besides the culinary part of it we thought a lot about AirlineSim and how we could improve it. The bad thing: We’ve got so many nice want-to-haves on the list now that I have no clue when and how we’re supposed to realize them. But oh well, we’ll find a way…if you happen to be an experienced Java programmer and have an interest in helping us out, please let me know
.
As mentioned on the forums we decided more or less spontaneously that AirlineSim deserves a major overhaul. So I’ve been spending a whole lot of time lately building up a new foundation based on an awesome component-based Java framework called Wicket. Although the learning curve is quite steep for my taste I’ve come to love it over the past months I’ve spent working with it at my day job. It most definately is a pleasure compared to the current Struts 2-based setup and it allows for far more up-to-date features while keeping development time for these gimmicks extremely low. So to keep it short: It’s been fun to work in AS lately and I’m really looking forward to our new major version…it’s going to be a milestone in AirlineSim’s history.
But that’s not all. As you might know, AirlineSim is published by 4players so far. And while it will stay that way for the German version we need to build up everything from scratch for the international launch. First question was: What’s going to be our domain name? Nobody (us included) thought of reserving airlinesim.net or another non-German and well known TLD when the project was started 6 years ago. Now all of the good variants are taken by other entities. Well, almost. One team member came up with the idea to get an .aero domain. This sponsored domain is only available to "members of the aviation community" and because I liked the idea of such a domain a lot I handed in an application for a .aero ID on Sunday. Monday I got a response saying that more information on our request was needed…we had to prove that we actually deserve such a domain. I was kind of scared since I really wasn’t sure whether this was going to work out at all. So I wrote a short text about who we are and what we do, that we’re very interested in a realistic simulation and that many of our players and team members are actually aviation professionals (which is true, btw). When I opened my mailbox this evening the first thing catching my eyes was a heading which looked very promissing…and in fact it was the confirmation that we’re now authorized to register .aero-domains! Wohoo!
So now everything’s about paving the rest of the way to our international launch…registering the actual domain, getting a server, setting everything up and, oh yeah, program a new version of AirlineSim. I almost forgot. So dear reader…I’m back in the code. I’ll keep you updated!
Schon vor einigen Wochen verabschiedete sich urplötzlich mein schon seit vielen Jahren im Einsatz befindlicher ICQ Account mit der ungnädigen Meldung, jemand anderes habe sich mit meinen Daten eingeloggt. Alle darauf folgenden Loginversuche scheiterten kläglich mit einer Meldung, dass mein Passwort ungültig sei. Das Ganze klang sehr nach Account-Kidnapping, aber da "ich" meinen Kontakten zufolge seither nie wieder mit dem Account online war, vermute ich eher eine Datepanne seitens ICQ (inbesondere weil das Problem in den zugehörigen Foren reichlich besprochen wurde). Zwischenzeitlich war das Problem auch bei meiner besseren Hälfte aufgetreten, konnte dort aber nach dem Tipp eines AS-Kollegen durch die Installation des neusten ICQ-Clients behoben werden. Bei mir half dieses Mittel leider nichts mehr. Auch eine Änderung des verwendeten Login-Servers führte zu keiner Lösung. Mein ICQ Account ist also de facto tot.
Heute konnte ich mich dann endlich aufraffen, die lokal noch vorhandene Kontaktliste durchzugehen um rettenswerte Kontakte heraus zu filtern. Erstaunlicherweise war die Anzahl dieser Kontakte sehr klein, obwohl meine Kontaktliste über die Jahre hinweg eine beachtliche Größe erreicht hatte. Zunächst sind da die ganzen Karteileichen…Nicknames, unter denen man sich rein garnichts mehr vorstellen kann und Kontakte, mit denen man seit Jahren keinen Kontakt hatte und mit denen auch kein Kontakt mehr vorstellbar ist (vermutlich geht es der Gegenseite ja genauso). Dann gibt es die ganzen Freunde und Bekannten, die man entweder über sich selbst pflegenden Adressbüchern wie Facebook oder StudiVZ jederzeit erreichen kann oder mit denen man so oder so schon über andere Protokolle kommuniziert (sprich, Skype oder MSN). Mit dem Team von AirlineSim stehe ich jeden Tag über IRC und das Forum in Kontakt. Alles was an IM-Bedarf darüber hinaus geht kann ich in der Regel über unseren eigenen Jabber-Server erledigen.
Letztendlich hat sich also gezeigt, dass man zu vielen Personen eigentlich keinen IM-Kontakt braucht, da sich die Kommunikation meistens sowieso über Email oder andere Plattformen abspielt. Was bleibt sind die wenigen Personen, mit denen ich im Internet ausschließlich über ICQ kommuniziert habe und von denen ich daher garkeine anderen Kontaktdaten habe, sowie Personen die ich zwar anderweitig ohne weiteres erreichen kann, bei denen eine schnelle IM-Verbindung aber gewünscht oder einfach praktisch wäre.
Für die ICQ-only-Kontakte werde ich mir dann also in nächster Zeit einen Dummy-Account bei ICQ anlegen oder mir von jemandem einen borgen müssen…die anderen erhalten demnächst einfach über irgendeinen Kanal eine Nachricht von mir
. Für alle die dies hier lesen sollten und das Gefühl haben, sie müssten mich dringend über IM erreichen: Mein Jabber/XMPP-Account lautet tomcat[at]jabber.airlinesim.de. Andere Accounts nenne ich aus Prinzip und zur Unterstützung von Jabber nicht *g*.
So, das war es dann wohl mit ICQ. Meine Entscheidung, keinen offiziellen ICQ-Account mehr anzulegen, steht fest. Ein kleiner Schritt aus dem IM-Protokoll-Dschungel…eigentlich müsste ich ICQ dankbar sein.
Passend zu Marcs neulichen Ergüssen zum Kopierschutz eines der momentan am meisten erwarteten PC-Spiele kann ich ihm und allen anderen interessierten/enttäuschten die heutige Sonntagsausgabe von Userfriendly empfehlen. Viel Spaß.
Heute habe ich endlich mal ein kleines Plugin für Eclipse installiert, mit dem man die eine oder andere Zahl über den Quellcode eines Projekts errechnet bekommt. Natürlich will ich euch das Ergebnis nicht vorenthalten. Also im Folgenden ein (wirklich) kleiner Absatz mit einigen Kennziffern zu AirlineSims Dimensionen in schnöden Zahlen:
Insgesamt hat der Kerncode von AirlineSim etwa 60.000 Codezeilen verteilt auf knapp 900 Klassen, was bei Java in etwa der Anzahl an Dateien entspricht. Diese verteilen sich auf 60 Verzeichnisse und enthalten insgesamt über 5000 Methoden. Keine Sorge, letzterer Wert ist vor allem wegen der üblichen Getter und Setter so hoch, welche in Java (und anderen objektorientieren Sprachen) zum setzen und lesen der Attribute verwendet werden.
Diese Zahlen erscheinen schon recht hoch…aber darin tauchen alle nicht-Java Dateien noch nicht auf. Lokalisierungsdateien die alle Texte enthalten, JSP-Templates welche für die Darstellung der HTML-Oberfläche zuständig sind und von denen es mindestens eines pro in AirlineSim sichtbarer Seite gibt sowie alle anderen Dateien wie Konfigurations- und Grafikdateien müssten also noch dazu gerechnet werden.
Nein, der Eintrag, der diesen Blog aus dem Dornröschenschlaf erwecken soll, wird kein Meinungsbild meinerseits zu Mehdorn und seinem Staatskonzern. Viel eher wird es etwas, was es bisher in diesem Blog (glaube ich) noch nicht gab: Eine Buchrezession.
Der Titel des Buches lautet, wie man unschwer erahnen kann "Mehdorn, die Bahn und die Börse". Im Grunde ist es eine Mischung aus Mehdorn-Porträt, Zeitlinie seit der Bahnreform und Einblicken in die Machenschaften hinter den Kulissen von Konzern und Politik. Obwohl mich der etwas reißerische Untertitel ("Wie der Bürger auf der Strecke bleibt") zunächst etwas abgeschreckt hat, griff ich am Samstag doch ins Regal und erwarb das gute Stück als Lektüre für eine längere Heimfahrt mit der Bahn am Folgetag – wie passend.
Das Werk erwies sich als etwas einseitig, aber letztendlich stellt es seine Fakten, welche auf einer bunten Mischung aus Briefen zwischen Beteiligten, Pressemeldungen, Gutachten und Gesprächen basieren, recht objektiv dar. Wider Erwarten war der Autor nicht etwa kontra Bahnprivatisierung. Im Gegenteil: Er schlüsselte glaubwürdig die Vorteile der Privatisierung auf, welche schon heute durch Privatbahnen sichtbar wären, und konzentriert sich eher darauf zu vermitteln, warum das Netz beim Staat bleiben müsse und wie Mehdorn mit allen Mitteln der Kunst versucht, eben dies zu verhindern. Letzteres gewährt finstere Einblicke in das tägliche Geschäft unserer Volksvertreter. Besonders erschreckend ist dabei, mit welch nichtigen Gründen und wie fahrlässig das etwa auf 200 Milliarden Euro Wert geschätze Netz der Bahn AG an Investoren verkauft bzw. verschenkt werden soll. In meinen Augen besonders verstörend wird dieser Sachverhalt anhand eines vom Autoren ins Feld geführten Vergleichs: Der Bund verkaufte die Lizenzen zur Nutzung der UMTS-Frequenzen, also de facto nichts weiter als ein Stück Papier, welches dem Besitzer ein Nutzungsrecht eines immateriellen Gutes zusagt, für etwa 50 Milliarden Euro an die Mobilfunkkonzerne. Gleichzeitig wird der einmalige Erlös eines Börsenganges der Bahn inklusive Netz auf 8 bis 15 Milliarden Euro geschätzt…inklusive diverser Fallstricke für den Bund und weiteren Verpflichtungen über Jahre hinaus.
Warum Pläne in diese Richtung, trotz der offensichtlichen Risiken und Missverhältnisse, trotzdem weiter verfolgt werden, stellt das Buch meines Erachtens seriös dar und ist daher für den interessierten Leser durchaus zu empfehlen. Es werden die Blickwinkel und Einflüsse aller beteiligten Akteure, von der Bahn selbst über die Gewerkschaften bis hin zu den Automobilverbänden dargestellt und auch der biografische Aspekt rund um die Figur des Hartmut Mehdorn ist nicht zu verachten. Es ist keine reine Hetze gegen den Kapitalismus aber gleichzeitig sehr kritisch gegenüber dem von der Politik falsch umgesetzten. Es liefert anhand aktueller Beispiele aus dem öffentlichen Personennahverkehr einige Ansätze zur besseren Gestaltung der Bahnprivatisierung, rutscht aber dabei auf den letzten Seiten etwas in kitschige Träumerei ab. Letzteres lässt sich aber verschmerzen, insgesamt waren die etwa 230 Seiten eine aufschlussreiche Lektüre für 7 Stunden Bahnfahrt.
Die letzten 4 Tage hatte ich das Vergnügen mir mit meiner Freundin Rom anzuschauen. Da ich diese Woche etwas viel um die Ohren habe werde ich es aber bei einem knappen Erfahrungsbericht belassen. Wen vor allem die Bilder der Reise interessieren, kann sich hier einen Überblick verschaffen. Erwartet auch dort nicht zu viel wir haben uns darauf konzentriert die Stadt anzuschauen, nicht schlechte Touri-Fotos zu machen
.
Die Anreise lief glatt ab Bremen über München mit Lufthansa. Mein erstes Mal im CRJ-900, der seinem Ruf als Angströhre alle Ehre macht. Nicht dass ich Flugangst hätte, aber grausam eng ist diese Kiste wirklich. Nunja, erster Eindruck in Rom: Der Flughafen sieht schon etwas angeknabbert aus und könnte mal eine Renovierung vertragen. Dieser Eindruck setze sich allerdings fort…seien es Züge, Gebäude oder alles andere: Fast alles sieht irgendwie stark baufällig, beschmiert oder anderweitig dreckig aus. Teilweise sahen die Züge aus, als hätten sie die letzten Jahre in der prallen Sonne verwahrlost auf einem Abstellgleis gefristet…waren aber noch im Einsatz.
Dessen unbeirrt sind wir per teurem Leonardo Expess non-stop im Bummeltempo zum Hauptbahnhof "Termini" gefahren. Unser Hotel, das Hotel Caracciolo, lag direkt neben dem Bahnhof also waren wir innerhalb weniger Minuten an unserem Zielort. Das Haus ist ein gemütlicher Familienbetrieb, das Zimmer war sehr groß und mit auf antik gemachten Möbeln versehen. Sogar eine Couch hatten wir und über dem Bett hing eine große Leonardo-Kopie. Das Bad erfüllte seinen Zweck, war aber nichts Besonderes und stellenweise etwas angegammelt. Das Frühstücksbuffett war "überschaubar", für meine Ansprüche aber völlig ausreichend. Insgesamt ist das Hotel nicht schlecht, vor allem die Zimmergröße ist ein Plus. Aber für das Gesamtpaket war der Preis doch etwas hoch…vermutlich der Touri-Metropolen-Aufschlag.
Die Stadt selbst ist super quirlig. Besonders beeindruckend sind sie breiten Hauptstraßen, die trotz ihrer Funktion aus Pflastersteinen bestehen und keine Markierungen tragen! Die meiste Zeit waren wir jedoch zu Fuß unterwegs. Der Stadtkern mit den meisten Sehenswürdigkeiten ist recht kompakt, weshalb dies eigentlich kein Problem ist. Um die Füße doch etwas zu schonen sind wir lediglich hin und wieder mit der U-Bahn gefahren, um morgens in etwas entferntere Ecken zu kommen oder abends von diesen zurück zum Hotel. Hier erwies sich die Lage des Letzteren wieder als sehr praktisch.
Die Menge an Sehenswürdigkeiten ist einfach überwältigend. An jeder Ecke, man muss sich nur umdrehen, steht irgendeine Kirche. Eine größer und schöner als die andere, sei es von innen oder von außen. Genauso beeindruckend sind die Reste der antiken Tempel und Paläste. Die Vorstellung, wie es hier vor 2000 Jahren ausgesehen haben muss ist fantastisch und es ist Schade, dass im Laufe der Zeit doch einiges dieser alten Pracht verloren gegangen ist (es sei denn es wurde eine Kirche daraus gemacht). Ebenfalls bedauerlich ist, dass an den wichtigen Touristenattraktionen inzwischen Sicherheitskontrollen notwendig sind, die vor allem beim im Februar herrschenden kalten Wind etwas unangenehm werden können, je nach Länge der Schlange. Wer mal ein bisschen Entspannung vom harten Touristenprogramm braucht, dem seien die Caracallathermen empfohlen: Sie liegen etwas weiter abseits und werden daher wohl von vielen Touristen übersehen. Sie sind aber nicht nur extrem eindrucksvoll – die Größe ist der Wahnsinn – sondern sind auch von großen Rasenflächen umgeben, auf denen man etwas Sonnenbaden kann. Alles in für Rom nicht gerade typischer Ruhe.
Über die Sehenswürdigkeiten informiert aber jeder Reiseführer besser als ich…viel wichtiger ist das Essen
. Bei einem Besuch in Rom empfehle ich, sich nicht in die auf Touristen ausgelegten Pizzarien locken zu lassen. Die "echten" italienischen Restaurants, die meist etwas abseits und in Seitengassen liegen, bieten kulinarisch deutlich mehr und haben m.E. auch ein deutlich angenehmeres Ambiente. Sie sind zwar auch nicht ganz billig, vor allem weil es mit einem Gang nicht getan ist, aber für 4 Tage ist es das definitiv Wert! Für zwischendurch bekommt man in allen mit "Bar" beschrifteten Cafés leckere belegte Brötchen zu einem vernünftigen Preis. Auch hier nicht auf die mobilen Stände von schamlosen Halsabschneidern reinfallen!
Nunja, das war mein (wirklich) kurzer und oberflächlicher Bericht zu Rom. Wer mehr wissen will darf mich gerne direkt kontaktieren. Es waren jedenfalls 4 sehr schöne Tage…aber das nächste mal komme ich nach Rom, wenn es wärmer ist